BESPRECHUNGEN VON OSTMETAL-TONTRÄGERN


MUSICAL MASSACRE (diverse Produktionen, 1991-1992)

PURGATORY aus Nossen gehören zweifellos zu den führenden und dienstältesten Bands aus dem Ostteil unserer Republik und bringen neben zahlreichen Live-Aktivitäten in regelmäßigen Abständen hochwertige Alben heraus, um ihren Platz in der deutschen Death-Metal-Szene immer wieder aufs Neue zu manifestieren. Als man sich Anfang 1993 aus den beiden gerade aufgelösten Bands PROCESSION und MUSICAL MASSACRE zusammentat, konnte keiner ahnen, daß man selbst mehr als zwanzig Jahre danach noch immer gemeinsam musizieren würde Ė wenn auch in veränderter Besetzung und auf einem weitaus professionelleren Level als noch in den Anfangstagen.
Die vorliegende Rezension bezieht sich auf das musikalische Vermächtnis letztgenannter Kapelle, die es während ihrer Existenz von zwei Jahren immerhin auf drei Veröffentlichungen gebracht und sich somit einen Platz im deutschen Underground der Nachwende-Zeit geschaffen hat.
Ein erstes akustisches Lebenszeichen erschien in Form des "Proberaum-Tapes 6.10.91", welches vier Eigenkompositionen enthielt und mit einer eigen-ständigen Mischung aus schleppendem Death Metal, doomigen Passagen und gelegentlichen Knüppel-Ausbrüchen, gepaart mit einem grunzenden Schreihals, aufhorchen ließ. Ob diese Veröffentlichung damals im großen Stile verbreitet wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Eher vermute ich, daß man die ersten Aufnahmen im Freundes- und Bekanntenkreis verteilt hat, um die Reaktionen auf das eigene Material zu testen oder Konzert-Veranstalter auf sich aufmerksam zu machen.
Schon im Monat darauf erschien das erste offizielle Demo "The Evilís Incarnation", welches mit einem herrlich-dumpfen und kryptischen Vier-Spur-Sound daherkam und neben dem obligatorischen In- und Outro sechs Stücke bot, die sich stilmäßig nahtlos an die Beiträge vom Proberaum-Tape anschlossen. Zwei Songs, die bereits auf der ersten Kassette enthalten waren, wurden für das Demo neu eingespielt, während die weiteren vier Stücke komplett neu waren. Die musikalisch recht einfach gestrickten Kompositionen wurden durch die Low-Budget-Produktion bestens in Szene gesetzt und verleihen dem akustischen Treiben einen ureigenen Charme.
Es folgten diverse Live-Auftritte, bevor man sich im Oktober 1992 als gereifte Band mit dem Studio-Demo "Necrobestiality" zurückmeldete und damit für einigen Wirbel sorgen konnte. In den fünfundzwanzig Minuten Spielzeit bot man die altbewährte Mischung aus Death- und Doom-Elementen, allerdings in kompositorischer als auch handwerklich hervorragender Qualität und angereichert mit einigen zusätzlichen Elementen extremer Stilarten. Während auf den früheren Aufnahmen ein gewisser Silvio Zeller vornehmlich das Mikrophon anbrüllte, zeichnete nun Gitarrist Renè Kögel hauptsächlich für die tiefe Stimmbandakrobatik verantwortlich und verlieh MUSICAL MASSACRE damit eine ganz eigene Note, die sich über die Auflösung der Gruppe im Jahre 1992 bis hin zu den ersten kleineren Demo- und Single- Veröffentlichungen von PURGATORY wie ein Brückenschlag zieht.
Im vergangenen Jahr haben sich einige ehemalige Mitglieder dazu entschlossen, MUSICAL MASSACRE zu reformieren und absolvierten in der neuen Besetzung bereits einige Auftritte in ihrer Heimat Sachsen. Geplant ist die Produktion eines Albums, jedoch sind diesbezüglich noch keine weiteren Details bekannt.
Wer sich also für den ostdeutschen Death Metal-Underground interessiert und speziell bei den ersten beiden Veröffentlichungen nicht vor dumpfem und schepperndem Proberaum-Sound zurückschreckt, sollte die Sachen auf jeden Fall mal antesten. Das Label "German Democratic Recordings" befindet sich in diesen Tagen mitten in den Verhandlungen, um das Gesamtwerk von MUSICAL MASSACRE in den kommenden Monaten gebührend auf CD zu veröffentlichen.

(Text: Engel, Bilder: bandeigene Promotion)
 
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